Logo Peter Berger Kunst

Umstieg – Einstieg – Aufstieg. Ein Werdegang

von Prof. Dr. Helge Bathelt, M.A.

Wenn man etwas kompetent ausüben will, dann muss man es erlernen! Berger ging an die renommierte Faber-Castell-Akademie nach Nürnberg, schloss den anspruchsvollen Studiengang ab, setzte mit einem Aufbaustudium fort und fand Zugang sogar zur Meisterklasse.

 

Der Weg hat gedauert. Vor allem aber hat er sich gelohnt, denn das, was sich heute als Ergebnis zeigt, kann sich sehen lassen und ist absolut ausstellungsreif. Das beweist dieses Kompendium, das Arbeiten aus den letzten Jahre beinhaltet und dabei etwas von der Spezifik des Künstlers Peter Berger vermittelt.

 

Zu dieser Spezifik gehört zum Beispiel, dass sich Berger die Freiheit nimmt, auf jene Eindimensionalität zu verzichten, die manchem bedeutenden Werk eignet, weil es auf Identifizierbarkeit angelegt sein muss. Nur wer eine „Hausnummer“ wie Gerhard Richter ist, kann es sich leisten mehrere Richter zu sein.
Wenn Berger auch insgesamt in der Nachfolge informeller Kunst zu sehen ist, so beschäftigen ihn hier unterschiedliche Ausdrucksformen, die er in seine eigene persönliche Bildsprache übersetzt. In manchem Filigran beispielsweise kann sich ein Betrachter an Bernard Schultze erinnert fühlen, in anderem an Ernst Wilhelm Nay und auch an Jackson Pollock, an El Lissitzky und auch an Kandinsky und Joan Miro, die schon immer zu den Hauptquellen einer klassisch modernen Kunst gezählt haben.

 

Bergers Arbeiten zeichnen sich durch ein sicheres Farbgefühl aus und durch seine Fähigkeit zu stimmigen Kompositionen. Nichts das zufällig wirkte oder gar getragen von bloßer Spontaneität, nichts was vor allem als Ergebnis eines Prozesses von Versuch und Irrtum anzusehen wäre, geschaffen und verworfen so lange, bis sich ein gültiges Ergebnis eingestellt hat.

 

Besucht man Berger in seinem Atelier, so stellt sich bald heraus, dass er seinen Leinwänden Zeit gibt sich zu entwickeln. Er übermalt, folgt der inneren Notwendigkeit, die ein begonnenes Werk setzt und hat Geduld für das Gültige.

 

Bei seinem Arbeitsprozess kommt ihm ein augenfälliges Talent zugute, nämlich Farbe und Form in einen stimmigen Rhythmus zu bringen und ein Werk zu schaffen, das anspruchsvoll begründet ist und das schließlich besteht und Bestand hat. Zwischen ruhigen Farbbewegungen, einer lyrischen Abstraktion und expressiver Intensität wechselt seine Bildsprache, lässt er Anregungen und Stimmungen wirksam werden: und gestaltet!

 

Ein Drang zu einem öffentlichkeitswirksamen Auftritt hat er nicht. Berger sucht keine wohlfeile Bestätigung populärer Ausstellungsstätten. Wenn er auftritt, dann unter dem Aspekt, durch einen Dialog mit dem Publikum eine Rückmeldung über den eigenen eingeschlagenen Weg zu erhalten. So macht es auch Sinn, dass nach reichlichem Zureden dieser Lebensabschnittskatalog entstanden ist. Er ist als Gesprächsangebot gemeint, aber er geht darüber hinaus, denn das, was Berger bisher geschaffen hat, unterscheidet sich überaus positiv von dem, was so gerne massenweise produziert wird. Das sein Werk Substanz hat, das ist spätestens jetzt unübersehbar geworden.

 

August 2016